Geschichte - Auszüge aus der von Karl Müller erstellten Ortschronik Anno 1985
Karl Müller wurde 1935 in Schillingstadt geboren. Er war lange Jahre Vorsitzender des kath. Kirchenchors und Mitglied im Gemeinderat. Er starb 1999.
Erste urkundliche Erwähnung 722 unter dem Namen "Scillingstat".
Das Dorf war befestigt und mit drei Toren versehen, von denen eines im Wappen der Gemeinde zu finden ist. Das letzte Tor wurde im Jahre 1883 abgebrochen.
Um 1780 wurde Schillingstadt schon als großes Dorf erwähnt. Es waren damals 391 Einwohner, die in 81 Häusern wohnten.
Die Pest 1524 wütete so sehr, dass nur noch 7 Einwohner übrig blieben.
1872 wurde das Schulhaus gebaut in dem sich auch die Gemeindeverwaltung befand.

Die beiden Weltkriege 1914/18 und 1939/45 forderten auch von unserer Gemeinde große Opfer. So starben im Ersten Weltkrieg 18, im Zweiten Weltkrieg 24 meist junge Leute für ihre Heimat. 9 Personen gelten noch immer als vermisst. Schillingstadt besitzt auch den traurigen Ruhm, im letzten Weltkrieg, vom 30. auf den 31. August 1941 den ersten feindlichen Fliegerangriff erlebt zu haben. Es wurden dabei 12 Wohnhäuser und 19 Scheunen ein Raub der Flammen. Von diesen Gebäuden konnte nur ein kleiner Teil wieder aufgebaut werden. Nach der Währungsreform und dem Neuaufbau unserer Industrie verließen zahlreiche Einwohner, unter denen sich auch viele Flüchtlinge befanden, unseren Ort, so dass sie Einwohnerzahl von 720 auf derzeit 393 Personen zurückging.
Auch unsere Gemeinde bemühte sich mit der Zeit zu gehen und am sogenannte Wirtschaftswunder teilzunehmen. Die Voraussetzung schuf hierbei auch der Gesetzgeber durch den Straßenbau. 1949/50 erhielt Schillingstadt Busverbindungen nach Buchen. Später Bad Mergentheim. Der Brunnen bei Kurt Kaibel, ein beliebter Treffpunkt der Jugend, fiel 1951/52 dem Ortsstraßenbau zum Opfer. So wurde 1954 die Straße nach Schwabhausen ausgebaut. Es folgte 1955 die Straße nach Berolzheim und im Jahre 1959/60 die Straße nach Oberwittstadt. Sie fügte sich besonders gut in die Landschaft ein. Durch die Gemeinde wurden die ersten "Grüne Plan" Wege gebaut (Ins Börtle, Kästle, Hegenich). Es folgte 1966 die Aufstellung des ersten Bebauungsplanes für die Gewanne "Am Alten See" und "In der Barth". 1984 erfolgte eine Erweiterung des Baugebietes, das heute erschlossen ist.

Seit dem 13. Dezember 1973 ist Schillingstadt durch den Bau der Autobahn Heilbronn - Würzburg an des internnationale Verkehrsnetz angeschlossen. In den Jahren 1972/73 wurde der Gartenweg ausgebaut. In dieser Zeit verdohlte man auch den Hasselbach und erschloss den Hasselbachweg. In den 60er Jahren wurde im ganzen Ort eine Abwasserbeseitigung durchgeführt. Die Kanalisation wurde in den Jahren 1970/72 geplant und 1978/79 durchgeführt. 1979 wurde der Schuttplatz "Im Angeltürner Trieb" geschlossen und im alten Steinbruch "Im Hammelsberg" ein neuer eröffnet. Im gleich Jahr führte man Straßennamen ein. In Verbindung mit der Flurbereinigungsbehörde wurde das Rathaus sowie das Schulhaus renoviert. Sie sind Schmuckstücke unserer Gemeinde. 1984 erfolgte der Anschluss an das Kabelfernsehen.

Schillingstadt, das noch 1950 fast eine rein landwirtschaftlich orientierte Gemeinde war hat sich weitgehend zu einer Arbeitnehmer-Wohngemeinde gewandelt. Hatten wir 1958 11 Pendler, so waren es 1984 93 auswärts tätige Personen. Neben einem Einpendler sind 10 Arbeitnehmer beschäftigt. Gegenwärtig werden in der Gemeinde 122 Pkws (1958 waren es 10) und 13 Motorräder/Mopeds (1958 waren es 32) gefahren.

Als nächste Maßnahme stehen der Ausbau der Ortsdurchfahrt und der Bau einer Sammelkläranlage an. Außerdem sollen die beiden Kirchen in Zuge der Dorfsanierung renoviert werden. Im Jahre 1958 begann man mit dem Bau der Turn- und Festhalle sowie des Kindergartens. Nach der Einweihung wurde die Halle bald zu einem kulturellen Mittelpunkt des Ortes. 1972 wurde der Feuerlöschteich neu angelegt und bald danach mit dem Bau der Waldwege begonnen. In den Jahren 1970/1972 wurde das Friedhofsgelände erweitert, eine Leichenhalle errichtet, ein Gräberfeld neu eingeteilt und der Friedhofsweg neu ausgebaut.

Mit einem Vertrag vom 11.06.1974 wurde Schillingstadt der neu gebildeten Gemeinde "Ahorn" zugeordnet.

Da durch den Neubau von Straßen und der Autobahn die ohnehin kleinen Parzellen oft nochmals durchschnitten wurden, ist 1969 das zweite Flurbereinigungsverfahren für die ganze Gemarkung angeordnet worden. 1972 wurde mit der Durchführung im Feldwegebau begonnen. Es wurden ca. 6700 Eigentumsgrundstücke eingeworden. Teilnehmer: ca. 450 - 500. Nach Abschluss des Verfahrens (Zuteilung der Feldlage ist 1986 vorgesehen) werden es noch ca. 800 Eigentumsgrundstücke sein. Das ganze Wege- und Gewässernetz wurde neu geordnet. So wurden ca. 12 km Feldwege asphaltiert, 27 km Schotterwege gebaut und 12 km unbefestigte Wege ausgewiesen.

Ein besonderer Anziehungspunkt für nah und fern wurde durch den Bau der "Eulenberghütte" mit Grill-, Spiel-, Fest- und Parkplatz im Jahre 1977 geschaffen. Die Eulenberghütte und das Freizeitgelände an der Turnhalle bieten Erholungsmöglichkeiten für jung und alt.

Die Landwirtschaft hofft, insbesondere nach der Zuweisung der neuen Grundstücke, mit wesentlich weniger Aufwand ertragreicher wirtschaften zu können. Von den bislang ca. 700 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche können durch den Autobahnbau, dem geplanten Zubringer nach Bad Mergentheim (B 292) und der Straße nach Angeltürn (bei der Neuordnung der Grundstücke bereits berücksichtigt) ca. 50 ha abgeschrieben werden. Auch die Landwirtschaft hat sich der Zeit angepasst. Wurden um 1950 die ersten Schlepper angeschafft, so zählen wir heute 54 Schlepper und 26 Mähdrechsler. Die Anzahl der Vollerwerbslandwirte hat sich in der letzten Zeit erheblich verringert. Wir alle - Einwohner wie Vereinsvorstände mit ihren Mitgliedern - sind gerade heute (da Gemeindeverwaltung und Schulen hier als Kulturträger entfallen) gefordert, in Zukunft durch energisches Zusammenstehen ein Stück lebendiges Gemeinwesen und damit ein Stück Lebensqualität sicherzustellen. Obwohl die ehemals selbständige Gemeinde Schillingstadt seit dem Verlust ihrer kommunalen Selbständigkeit als Ortsteil von Ahorn in finanzieller Hinsicht nicht schlecht gefahren ist, gilt es mehr denn je Sorge dafür zu tragen, dass hier nicht das geschieht, was in manchen Trabantenstädten zu beobachten ist: Die Degradierung ehemals lebendiger Kommunen zu reinen Schlafgemeinden. Wer könnte dem besser entgegenwirken als gerade die Vereine? Auch auf kulturellem Gebiet ist die Gemeinde führend und ein glänzendes Beispiel für viele Gemeinden der engeren Heimat. So haben wir einen Männergesangverein mit 35 aktiven und 82 passiven Mitgliedern, der schon über 110 Jahre besteht. Weiterhin gibt es zwei Kirchenchöre: der schon über 75 Jahre bestehende evangelische mit 30 aktiven und 15 passiven Mitgliedern und der katholische mit 22 aktiven und 23 passiven Mitgliedern, der 1948 gegründet wurde. Der Turnverein mit ca. 197 Mitgliedern, der auch schon sein 75- jähriges Jubiläum feiern konnte, und durch seine Erfolge bei den regionalen Meisterschaften von sich reden macht, widmet sich den Bereichen Leichtathletik, Gymnastik, Tanz und Fußballsport. Zur Pflege und zum Unterhalt der im Eigentum stehenden Eulenberghütte in Selbstverwaltung wurde 1978 der Förderverein mit ca. 80 Mitgliedern ins Leben gerufen. Fast so viele Mitglieder wie Einwohner hat der "Ski-Club". Den Ski-Sport-begeisterten Mitgliedern bietet er auf dem Ski-Gelände Im Eulenberg und auf ausgeschilderten Langlaufstrecken gute Möglichkeiten. In der Gemeinde besteht auch noch ein Kleintierzuchtverein.

Mit diesen Ausführungen wurde versicht, die Geschichte unseres kleinen Dorfes, das jetzt schon über 1200 Jahre alt ist, nachzuweisen. Mein Wunsch ist, dass sich Schillingstadt auch in Zukunft zu seinem Wohle weiterentwickelt und uns allen eine liebenswerte Heimat bleiben möge.

Ahorn im Wandel der Zeiten
von Elmar Weiß


Seit Anfang 2007 können wir in Punkto Geschichte auch auf ein neu entstandenes Heimatbuch verweisen.

Ahorn im Wandel der Zeiten

wurde von Herrn Dr. Elmar Weiß aus Osterburken geschrieben und von der Gemeindeverwaltung Ahorn herausgegeben.
Historisch fundiert und genauestens widergegeben findet der interessierte Leser hier die Geschichte der einzelnen Ortsteile der Gemeinde Ahorn.

Erhältlich ist das Buch bei der Gemeindeverwaltung und über Angelika Gerner.
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